Kommunikation und Verhalten bei Demenz

Bei Demenz geht nicht das Gefühl verloren, sondern die Kontrolle über Gedanken und Sprache. Wie man spricht und reagiert, entscheidet ob aus Frustration ein Konflikt wird – oder Beruhigung.

Die 5 Grundregeln

  1. Augenhöhe und Augenkontakt: Setzen Sie sich neben oder vor die Person, nicht über sie
  2. Langsam und deutlich sprechen: kurze Sätze, eine Botschaft pro Satz
  3. Nicht korrigieren bei Erinnerungslücken: “Wann kommt mein Mann?” – wenn der Ehemann verstorben ist: nicht erklären, sondern aufgreifen (“Erzähle mir von deinem Mann”). Korrekturen verletzen die Gefühlsebene, ohne die Erinnerung zurückzubringen
  4. Berührung statt Worte, wenn Worte fehlen: Hand halten, Schulter berühren, gemeinsam atmen
  5. Validation: das Gefühl anerkennen, auch wenn die Sache falsch ist. “Du machst dir Sorgen” – ja, das stimmt, auch wenn der Grund nicht stimmt

10 Sätze, die fast immer helfen

  1. “Das verstehe ich. Erzähle mir mehr davon.”
  2. “Das muss schwer für dich sein.”
  3. “Lass uns das gemeinsam machen.”
  4. “Schön, dass du da bist.”
  5. “Ich bleibe bei dir.”
  6. “Deine Hände erinnern sich noch genau.” (bei Bewegungsabläufen)
  7. “Atmen wir kurz tief durch, dann geht es.”
  8. “Deine Mutter (Mann, etc.) hat dich sehr lieb gehabt.” (statt “ist tot”)
  9. “Du hast recht, das ist nicht in Ordnung.”
  10. “Lass uns einen Tee trinken.” (Tagesstruktur)

Was tun bei…

Unruhe und ständigem Aufstehen

Drang nach Bewegung respektieren statt unterdrücken. Spaziergang, Hin- und Herlaufen erlauben, einfache Aufgaben anbieten (Wäsche falten, Kartoffeln schälen).

Aggressivem Verhalten

Aggression ist meist ein Ausdruck von Überforderung oder Schmerz. Mögliche Ursachen prüfen:

  • Schmerz? (Zähne, Rücken, Harnwegsinfekt – Letzteres oft unerkannt)
  • Überreizung? (zu viel Lärm, zu viele Menschen, Fernseher)
  • Hunger, Durst, Toilette?
  • Medikamenten-Nebenwirkung?

Verlasse kurz den Raum, gib Zeit. Bitte keine körperliche Gegenwehr – immer Selbstschutz.

Wiederholten Fragen

Antworte jedes Mal freundlich, als wäre es das erste Mal. Die Frage ist meist ein Ausdruck von Unsicherheit. Beruhigung hilft mehr als die richtige Antwort.

Nächtlicher Unruhe

Häufige Ursache: gestörter Tag-Nacht-Rhythmus. Hilfreich:

  • Mittags maximal kurzes Nickerchen
  • Spaziergang am Nachmittag bei Tageslicht
  • Abendritual: warmes Getränk, gedämpftes Licht, ruhige Musik
  • Nachttischlampe als Orientierung
  • Bei medikamentösem Bedarf: Hausarzt – nicht alle Schlafmittel sind bei Demenz geeignet (Neuroleptika bei Lewy-Body kontraindiziert)

Beschuldigungen (Bestehlen, Vergiften)

Das ist nicht persönlich gemeint – es ist Ausdruck der Verunsicherung beim Vergessen. Nicht widersprechen, nicht beweisen wollen. “Lass uns gemeinsam suchen” hilft fast immer.

Was Sie selbst NICHT tun sollten

  • Nicht testen (“Weisst du noch, wer ich bin?”) – das beschämt
  • Nicht widersprechen bei Wahrnehmungen (“Da steht doch niemand”)
  • Nicht im Beisein über die Person sprechen, als wäre sie nicht da
  • Keine harten Strafen oder Konsequenzen – Demenz versteht keine Folgen
  • Nicht versuchen, in Diskussionen “zu gewinnen”
Wichtig: Diese Seiten ersetzen keine ärztliche oder rechtliche Beratung. Bei Demenz-Verdacht bitte zuerst zum Hausarzt – dieser überweist an Gedächtnissprechstunden oder Neurologen. Kostenlose Pflegeberatung: compass private pflegeberatung 0800 101 88 00. Deutsche Alzheimer Gesellschaft Helpline: 030 259 37 95 14.

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