Entlastung für pflegende Angehörige

Pflegende Angehörige von Menschen mit Demenz sind besonders belastet: emotional, körperlich, sozial. Hier die wichtigsten Wege, sich selbst zu schützen.

Konkrete Entlastungsangebote

1
Tagespflege1-5 Tage pro Woche, Transport inklusive, Aktivierung speziell für Demenz. Ab Pflegegrad 2 erstattet die Kasse bis 770 €/Monat. Anlaufstelle: Pflegestützpunkt vor Ort kennt die Einrichtungen.
2
BetreuungsgruppenMeist 2-4 Stunden, oft am Nachmittag. Speziell für Menschen mit Demenz, in Gemeinde- oder Pflegeheim-Räumen. Wird über den 125-€-Entlastungsbetrag finanziert.
3
Stundenweise VerhinderungspflegeWer den Angehörigen pflegt, hat Anspruch auf bis zu 1.685 € pro Jahr für Stellvertreter – auch stundenweise. Eine Nachbarin, die 2x pro Woche 3 Stunden übernimmt? Geht.
4
KurzzeitpflegeBis zu 8 Wochen pro Jahr Vollversorgung in einer Einrichtung. Sinnvoll für Urlaub oder eigene Krankheit. Plätze rar – früh anfragen.
5
Häusliche BetreuungPolnische oder rumänische Pflegekräfte legal anstellen kostet 2.500-3.500 €/Monat (24h-Anwesenheit). Über Pflegegrad 2-5 fließt das Pflegegeld (332-947 €) gegen, plus Verhinderungspflege.

Reha für Sie als Angehörige

Pflegende haben einen eigenen Rehabilitationsanspruch (§ 40 SGB V seit 2019). Voraussetzung: gesundheitliche Beeinträchtigung durch die Pflege – oft mit Hausarzt-Attest leicht zu begründen.

Während Ihrer Reha (3-4 Wochen) übernimmt die Pflegekasse parallel Kurzzeitpflege für den Pflegebedürftigen – das müssen Sie ausdrücklich beantragen.

Antrag bei der eigenen Krankenkasse, nicht bei der Pflegekasse.

Psychische Gesundheit

Pflegende von Demenzkranken haben ein etwa 4-fach erhöhtes Risiko für Depression. Wenn Sie sich seit mehr als 2 Wochen anhaltend traurig, antriebslos oder erschöpft fühlen: sprechen Sie mit Ihrem Hausarzt. Ein psychotherapeutisches Erstgespräch ist Kassenleistung und kostet Sie nichts.

Selbsthilfe und Beratung

  • Deutsche Alzheimer Gesellschaft: Helpline 030 259 37 95 14, Mo-Do 9-18, Fr 9-15. deutsche-alzheimer.de
  • Regionale Alzheimer-Gesellschaften: über 130 Standorte mit Angehörigengruppen, Schulungen, Besuchsdiensten
  • compass private Pflegeberatung: 0800 101 88 00, kostenlos auch Hausbesuch
  • Pflegestützpunkte: in jedem Landkreis, Adressen über die Pflegekasse
  • Pflegekurse nach § 45 SGB XI: kostenlos, auch online, speziell für Demenz-Angehörige

Wann an stationäre Unterbringung denken?

Es gibt keine “richtige” Zeit. Anzeichen, dass es Zeit wird:

  • Ihre eigene Gesundheit baut spürbar ab
  • Nächte werden unmöglich, Pflege rund um die Uhr nötig
  • Aggressives Verhalten gefährdet Sie körperlich
  • Mehrere Pflegekräfte hintereinander geben auf
  • Die Person erkennt vertraute Räume nicht mehr als sicher

Eine stationäre Unterbringung ist kein Scheitern – es ist eine Veränderung der Pflegeform. Demenz-Pflege ist nicht von einer einzelnen Person zu leisten.

Finanzielle Hilfen im Überblick (Pflegegrad 2, Stand 2025)

  • Pflegegeld: 332 €/Monat (ambulant, ohne Pflegedienst)
  • Pflegesachleistung: 796 €/Monat (über Pflegedienst)
  • Entlastungsbetrag: 131 €/Monat (Betreuung, Hauswirtschaft)
  • Pflegehilfsmittel-Pauschale: 42 €/Monat
  • Verhinderungspflege: 1.685 €/Jahr
  • Kurzzeitpflege: 1.774 €/Jahr
  • Wohnumfeld einmalig: 4.180 €
  • Steuerlicher Pflege-Pauschbetrag: 600 € jährlich für Angehörige
Wichtig: Diese Seiten ersetzen keine ärztliche oder rechtliche Beratung. Bei Demenz-Verdacht bitte zuerst zum Hausarzt – dieser überweist an Gedächtnissprechstunden oder Neurologen. Kostenlose Pflegeberatung: compass private pflegeberatung 0800 101 88 00. Deutsche Alzheimer Gesellschaft Helpline: 030 259 37 95 14.

Reform-Radar Pflege: Was sich 2026/27 für Sie ändert

1× im Monat: neue Beträge, Fristen und Reform-Änderungen – und was sie für Ihre Pflegesituation konkret bedeuten. Geprüft von einer examinierten Pflegefachkraft. Kein Spam, jederzeit abbestellbar.