Pflegegrad bei Demenz

Bei Demenz wird der Pflegegrad oft zu niedrig eingestuft, weil die kognitiven Einschränkungen unterschätzt werden. Das muss nicht sein – mit dem Wissen über die Module können Sie gezielt argumentieren.

Warum Demenz oft unterbewertet wird

Aus meiner Erfahrung als Qualitätsprüferin in der Altenpflege sehe ich häufig zwei typische Probleme:

  1. Gutachter sieht “guten Tag”: Menschen mit Demenz haben oft eine Restkonzentration für 1-2 Stunden. Während dieser Zeit erscheinen sie kompetenter, als sie im Alltag sind
  2. Angehörige stellen sich zurück: Aus Höflichkeit oder Sorge vor dem Betroffenen werden Defizite nicht offen angesprochen

Die 6 Module verstehen

Modul 1: Mobilität (10%)

Aufstehen, Treppe, Wege gehen. Bei Demenz lange unauffällig – außer bei Lewy-Body oder spätem Stadium.

Modul 2: Kognitive und kommunikative Fähigkeiten (15% – oder bei alleiniger psych. Beeinträchtigung 7,5%)

Das Kernmodul bei Demenz. Es geht um:

  • Personen aus dem näheren Umfeld erkennen
  • Örtliche und zeitliche Orientierung
  • Erinnern an wesentliche Ereignisse
  • Risiken erkennen (Verkehr, Herd, Treppen)
  • Mehrschrittige Handlungen verstehen
  • Entscheidungen treffen, Bedürfnisse mitteilen

Modul 3: Verhalten und psychische Problemlagen (15% – oder 7,5%)

Mit Modul 2 wird das höhere der beiden gewertet. Es geht um:

  • Motorische Auffälligkeiten (Unruhe, Weglauftendenz)
  • Nächtliche Unruhe
  • Verbal aggressives Verhalten
  • Wahnvorstellungen, Sinnestäuschungen
  • Ängstlichkeit, Niedergeschlagenheit
  • Ablehnung pflegerischer Maßnahmen

Modul 4: Selbstversorgung (40%)

Waschen, Anziehen, Essen, Trinken, Toilette. Wichtig: nicht “Kann er das körperlich?” – sondern “macht er es selbständig, oder muss erinnert / angeleitet / übernommen werden?”

Modul 5: Bewältigung von therapiebedingten Anforderungen (20%)

Medikamente einnehmen, Arzttermine wahrnehmen, Verbände wechseln. Bei Demenz fast immer beeinträchtigt.

Modul 6: Gestaltung des Alltagslebens (15%)

Tagesablauf strukturieren, Kontakte aufrechterhalten, Beschäftigung finden.

Punkte-Tabelle (vereinfacht)

  • 12,5 – unter 27 Punkte: Pflegegrad 1 (geringe Beeinträchtigung)
  • 27 – unter 47,5 Punkte: Pflegegrad 2 (erhebliche Beeinträchtigung)
  • 47,5 – unter 70 Punkte: Pflegegrad 3 (schwere Beeinträchtigung)
  • 70 – unter 90 Punkte: Pflegegrad 4 (schwerste Beeinträchtigung)
  • 90 – 100 Punkte: Pflegegrad 5 (schwerste mit besonderen Anforderungen)

So bereiten Sie den MD-Termin vor

  1. 7-Tage-Pflegetagebuch führen (was wird wann wie unterstützt)
  2. Beispiele für Modul 2 und 3 schriftlich notieren mit Datum
  3. Aktuellen Medikamentenplan bereitlegen
  4. Falls vorhanden: Arztbriefe, Demenz-Test (z.B. MMST-Wert)
  5. Anwesend sein! Lassen Sie die Person nicht allein begutachten
  6. Vor dem Termin mit der Person sprechen: nicht “stark machen”, normale Tagesform
  7. Während der Begutachtung sachlich gegenhalten, wenn die Person Fähigkeiten überschätzt: “Das probieren wir jetzt mal gemeinsam”
Was die Pflegekasse zahlt (Beispiel Pflegegrad 2 ambulant 2026): 347 € Pflegegeld/Monat ODER 796 € Pflegesachleistung/Monat + 131 € Entlastungsbetrag + 42 € Pflegehilfsmittel + 4.180 € je Maßnahme für Wohnumbau + bis zu 3.539 € gemeinsamer Jahresbetrag für Verhinderungs- und Kurzzeitpflege. Werte können sich ändern – Stand 2026.
Wichtig: Diese Seiten ersetzen keine ärztliche oder rechtliche Beratung. Bei Demenz-Verdacht bitte zuerst zum Hausarzt – dieser überweist an Gedächtnissprechstunden oder Neurologen. Kostenlose Pflegeberatung: compass private pflegeberatung 0800 101 88 00. Deutsche Alzheimer Gesellschaft Helpline: 030 259 37 95 14.

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