Wohnen sicher gestalten bei Demenz

Eine Wohnung, die für gesunde Menschen sicher ist, kann für Menschen mit Demenz gefährlich werden. Ein gezielter Rundgang mit den Augen eines Demenzbetreuers macht den Unterschied.

Der 30-Punkte-Rundgang

Gehe einmal mit Block oder Smartphone durch jeden Raum und prüfe:

Eingang und Flur

  • Schlüssel-Versteck-Konzept (verhindert nächtliches Weglaufen, ohne einzusperren)
  • Notrufkette oder Hausnotruf installiert
  • Gut beleuchteter Flur, automatische Bewegungslampen
  • Schuhe ohne Rutschsohlen ersetzt
  • Spiegel im Flur ggf. abdecken (kann verwirren – Person erkennt eigenes Spiegelbild als Fremden)

Küche

  • Herd-Sicherung: Zeitabschaltung, Gas-Stop oder Induktion mit Auto-Abschaltung (von der Kasse als Hilfsmittel oft anteilig finanziert)
  • Scharfe Messer und gefährliche Geräte weggeschlossen
  • Reinigungs- und Putzmittel weggeschlossen
  • Kühlschrank: regelmäßig auf abgelaufene Lebensmittel prüfen
  • Kontrastreiche Trinkbecher (z.B. blau auf weißem Tisch – erleichtert Erkennen)

Bad

  • Anti-Rutsch-Matte in Dusche/Wanne
  • Haltegriffe an Toilette und Dusche (auf Rezept als Hilfsmittel)
  • Warmwasser auf max. 50°C einstellen (Verbrühungsschutz)
  • Heizlüfter und elektrische Geräte aus dem Bad entfernen
  • WC-Brille in Kontrastfarbe (weiß auf weiß ist für Demenzkranke schwer zu erkennen)
  • Spiegel ggf. mit Klebebild markieren oder abdecken

Schlafzimmer

  • Nachttischlampe vom Bett aus erreichbar
  • Bewegungsmelder-Nachtlicht im Schlafzimmer und auf dem Weg zur Toilette
  • Pflegebett: ab Pflegegrad 1 oft Leihgabe der Kasse
  • Rutschfeste Bettvorleger oder ganz weglassen
  • Bei Sturzgefahr: niedriges Pflegebett, Sturzmatte daneben

Allgemein

  • Treppen mit Handlauf beidseitig, Stufenkanten kontrastreich markieren
  • Hausnotruf-Knopf am Hals oder Handgelenk – 24 Stunden tragen
  • Türschilder mit großer Schrift: “Bad”, “Schlafzimmer” – bei mittlerer Demenz hilfreich
  • Fotos der Familie groß und beschriftet aufhängen
  • Wichtige Telefonnummern groß ausgedruckt am Telefon
  • GPS-Uhr oder GPS-Anhänger für Spaziergänge erwägen

Was die Pflegekasse für Umbau zahlt

Wohnumfeldverbessernde Maßnahmen (§ 40 Abs. 4 SGB XI): bis zu 4.180 € pro Maßnahme, einmalig pro Person. Ändert sich die Pflegesituation wesentlich, kann erneut beantragt werden.

Beispiele: Badumbau (bodengleiche Dusche), Treppenlift, Türverbreiterung, Rampen, Schwellenbeseitigung, intelligente Herdabsicherung, Hausnotruf-Installation.

Wichtig: Erst Antrag stellen, dann Auftrag erteilen. Kostenvoranschlag vom Handwerker einholen, mit Begründung warum die Maßnahme nötig ist.

Weglaufen verhindern – ohne einzusperren

Freiheitsentziehende Maßnahmen sind in Deutschland nur mit richterlicher Genehmigung erlaubt (§ 1906 BGB). Bessere Ansätze:

  • Türalarm (klingelt, wenn Tür geöffnet wird – gibt nur Bescheid, hindert nicht)
  • Tarn-Vorhang oder Tapete über die Wohnungstür
  • Schwarze Matte vor der Tür – wird oft als “Loch” wahrgenommen
  • Tagesaktivierung in einer Tagespflege – reduziert Drang weiter zu wollen
  • GPS-Tracker am Schlüsselbund oder als Armband, für den Fall der Fälle
Wichtig: Diese Seiten ersetzen keine ärztliche oder rechtliche Beratung. Bei Demenz-Verdacht bitte zuerst zum Hausarzt – dieser überweist an Gedächtnissprechstunden oder Neurologen. Kostenlose Pflegeberatung: compass private pflegeberatung 0800 101 88 00. Deutsche Alzheimer Gesellschaft Helpline: 030 259 37 95 14.

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